«Äs isch eso u fertig» - Rocchi erklärt die Schweiz (Berner Zeitung, 21.01.2010)

Wenn Komiker Massimo Rocchi die Schweiz erklärt, dann bleibt kein Auge trocken. In Langenthal hat er es gleich zweimal getan.

Massimo Rocchi und Langenthal - das passt. Zweimal ist der Kabarettist mit italienischen Wurzeln dieser Tage im «Zelt» aufgetreten, beide Male war das mobile Theater mit 900 Plätzen restlos ausverkauft. Bis weit auf den Markthallenplatz hinaus staute sich am Dienstagabend das Publikum an der Abendkasse, sodass die Show mit dem ausgebildeten Pantomimen erst mit viertelstündiger Verspätung beginnen konnte.

Wundersame Entdeckung
Von A wie Adrian Amstutz bis Z wie Ulrich Zwingli: Für sein aktuelles Programm «rocCHipedia» hat der in Basel wohnhafte Doppelbürger tief in die Schweizer Geschichte geblickt und dabei so manch wundersame Entdeckung gemacht. Gebückte Haltung, lange Arme und «füdliblutt»: So habe der erste Schweizer ausgesehen, der von Afrika nach Europa gewandert sei und sich im Gotthardmassiv niedergelassen habe, ist Rocchi überzeugt. «Es muss ein Kelte gewesen sein. Die heissen so, weil es hier so kalt ist.» Jahre später habe man in dessen Oberschenkelknochen eine eingravierte AHV-Nummer gefunden. Für Rocchi Beweis genug: «Es war definitiv ein Schweizer.» «rocCHipedia» führt quer über die blutigen Schlachtfelder der Vergangenheit. Von Morgarten, Sempach und Murten nach Marignano, wo die alten Eidgenossen im Jahr 1515 ihr erstes Champions-League-Auswärtsspiel verloren hätten, witzelt Rocchi. Bedient hätten sich die tapferen Krieger damals vor allem der Igeltaktik: «Regel eins: zämeblibe. Regel zwei: nid jufle.»

Mann mit vielen Gesichtern
Spätestens bei dieser Pointe bleibt im «Zelt» kein Auge mehr trocken. Doch Massimo Rocchi hat sein Pulver noch längst nicht verschossen. Egal ob als Habsburger auf dem hohen Ross oder als Schweizer Gardist - in der Rolle des Verwandlungsakrobaten ist der «Svitaliano», wie er sich selber bezeichnet, unschlagbar. Neben den drei Landessprachen beherrscht er noch eine vierte: die Körpersprache. Leidenschaftlich hampelt Rocchi als Christoph Blocher über die Bühne. Mit hängenden Armen, offenem Mund und langer Zunge parodiert er den «Tyrannosaurus Rex» der Politszene, dessen Abwahl als Bundesrat weder ein Komplott noch ein Putsch gewesen sei, sondern schlicht «eine politische Entsorgung». Auch Bundesrat Moritz Leuenberger kriegt sein Fett weg: Ihn gibt Rocchi als zugeknöpften Intellektuellen, der die «ewige Ruhe» verkörpere. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf schliesslich müsse morgens nur zwei Finger in die Steckdose halten, dann stehe ihre Frisur schon.

Zwei Stunden - und fertig
Zwei Stunden dauert Massimo Rocchis Exkurs durch die Geschichte. Für jeden Eintrag in seiner Schweiz-Enzyklopädie hat der Comedian einen flotten Spruch parat. Und bleibt mal eine Frage offen, dann gilt, was bei den Schweizern immer gelte. Massimo Rocchi: «Äs isch eso - u fertig.»

21. Januar 2010, Berner Zeitung, Stefan Schneider

 

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