Ein Schweizer namens Massimo (Mittelland-Zeitung, 14.11.09)
Massimo Rocchi hat sein neues Programm aus der Taufe gehoben und damit das Publikum erobert.
Spätestens seit er in der Saison 2003 mit dem Nationalzirkus Knie durchs Land tourte, ist er wohl der bekannteste und einer der beliebtesten Italiener der Schweiz. Mehr noch: Er hat inzwischen auch den Schweizer Pass.
Das konnte nicht spurlos am künstlerischen Schaffen des Multitalents vorbeigehen. In seinem Programm «RocCHipedia», im Zürcher Theater 11 vorgestellt, nahm er denn prompt seine Wahlheimat auf die Schippe, beleuchtet helvetische (Un-)Eigenarten, geht politisch, charakterlich, geografisch mit ihr und uns ins Gericht, bisweilen hart, aber stets träf, sprich vortrefflich. Massimos sprühender Wortwitz und die Fähigkeit, Tatsachen geistreich auf eine umwerfende Pointe hin zuzuspitzen, lassen das Publikum hochkonzentriert, ja schier atemlos zuhören.
AUF DER BÜHNE steht eine Baustellenabschrankung mit orangefarbenem Warnblinker. Sonst nichts - ausser ihm. Rocchi ist ständig in Bewegung, mal minimal, mal raumfüllend. Und das Mundwerk, das er führt, wow! Sein Temperament ist schlicht umwerfend: Ob Dressurpferd und Reiter in Personalunion (dieses Highlight von seinem Knie-Gastspiel hat er übernommen), Schweizer Gardist oder Söldner bei Sempach - allein schon rein körperlich und mimisch strapaziert er die Lachmuskulatur des Publikums. Grossartig aber ist vor allem, was Rocchi verbal serviert: Geschichte und Geschehen der Schweiz neu aufgerollt mit, beispielsweise, einer neuen Interpretation der Abkürzung SVP: «Schweizer voll Pessimismus». Oder mit einer Aufzählung von Beuteltieren. «Känguru, Beutelratte, Opossum, Ospel» . . .
Massimo wäre aber nicht Rocchi, wären nicht durch alle satirischen Seitenhiebe hindurch immer auch Respekt und Zuneigung spürbar. So ist die «RocCHiade», die den guteidgenössischen Zuschauer mitunter zwar «äuä es bitzeli» zum Leerschlucken bringt, weder bloss schlicht kritisch und böse, noch einfach «nur» witzig, sondern anregend, vergnüglich und spannend - kurz ein Hochgenuss.
Mittellandzeitung, 14. November 2009, von Rosemarie Mehlin


